Sozial handeln –
wirksam helfen.

Chemnitz stärkt die soziale Nothilfe für Wohnungslose

Foto:©AWW
Kerstin Knorr, Leiterin des Suchtzentrums Chemnitz

[Chemnitz] - 20.12.2021      Die Pandemie betrifft uns alle, die einen mehr, andere weniger drastisch. Zu den besonders hart betroffenen Menschen, die jedoch nur verhältnismäßig wenig mediale Aufmerksam erhalten, gehören Wohnungslose. Sie sind der Pandemie und den damit verbundenen Nebenwirkungen in mehrfacher Hinsicht schutzlos ausgeliefert. Besonders im Winter häufen sich die Probleme. Es fehlt an warmen Aufenthaltsräumen, an Möglichkeiten zur persönlichen Hygiene, an regelmäßigen Mahlzeiten, an medizinischer Versorgung und manchem mehr.

In Chemnitz haben drei Fraktionen im Stadtrat (LINKE, GRÜNE und SPD) beantragt, der Not wohnungsloser Bürgerinnen und Bürgern besser zu begegnen. Daraufhin hat der Stadtrat am 15.12. beschlossen, 30.000 Euro zusätzlich bereitzustellen, um die bestehenden Versorgungskonzepte zu unterstützen. 6 Wohlfahrtsorganisationen werden sich an der Notfallhilfe beteiligen. Niederschwelliges und freiwilliges Engagement soll als wichtiger Baustein des Hilfesystems einbezogen werden. So soll u.a. die niedrigschwellige und aufsuchende Wohnungslosen- und Suchthilfe in Verbindung mit freiwilligem Engagement verstärkt werden.

„Es war wieder mal ein harter Kampf, aber am Ende hat sich die Stadt zur Finanzierung bereiterklärt. Nun können wir den armen Schluckern im Obdachlosenheim vor Ort helfen“, berichtet Kerstin Knorr, Leiterin der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle des AWW in Chemnitz.

„Diese bedürftigen Menschen sind zurzeit sehr stark belastet. Sie haben kaum noch persönliche Kontakte, dürfen keinen Alkohol in der Öffentlichkeit konsumieren und unterliegen der Testpflicht in Bus und Bahn. Die sind echt am Ende“, erzählt sie weiter.
Die niedrigschwellige und aufsuchende Hilfe reicht vom Bereitstellen warmer Räume wie in der „Haltestelle“ und warmem Essen und Trinken, auch draußen und in den Abendstunden, bis hin zur Außensprechstunde der Suchtberatungsstelle AWW. Auch der Kälte-Bus soll wieder zum Einsatz kommen.

Das Suchtzentrum des AWW hatte bereits 1999 – 2015 die Außensprechstunden im Wohnungslosenprojekt durchgeführt und konnte mit Erfolg Maßnahmen zur Suchtbewältigung vor Ort anbieten. Mit den bewilligten Mitteln ist die SBB nun in der Lage, von Januar – März 2022 Außensprechstunden im Wohnungslosen-Wohnheim als aufsuchende Maßnahme zusätzlich zur obligatorischen Beratung anzubieten.