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Neues Haus, neue Perspektiven: Tag der offenen Tür im Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig

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Am 18. August öffnete das neue Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in der Georg-Schumann-Straße in Leipzig seine Türen für geladene Gäste. Rund 125 Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Leipzig, aus sozialen Einrichtungen und Notunterkünften sowie Mitarbeitende des Advent-Wohlfahrtswerks (AWW) und des Übernachtungshauses nutzten die Gelegenheit, die neue Einrichtung kennenzulernen. Aufgrund der begrenzten räumlichen Möglichkeiten war der Besuch ausschließlich auf eingeladene Gäste beschränkt.

Bild: Der am "Tag der offenen Tür" geschmückte Eingang des Übernachtungshauses
Foto: ©Lothar Scheel

Bereits am 5. Mai 2026 konnten die ersten Frauen ohne festen Wohnsitz in das neue Haus einziehen. Damit ging eine lange Planungs- und Umbauphase zu Ende. Das ehemalige Hotel wurde in den vergangenen Monaten für die neue Nutzung umgebaut und vorbereitet. Mit dem Umzug stehen nun 46 statt bisher 24 Übernachtungsplätze zur Verfügung: 40 reguläre Plätze sowie sechs weitere Plätze in der kostenfreien Notschlafstelle.

Volkmar Proschwitz, geschäftsführender Vorsitzender des Advent-Wohlfahrtswerks e. V., würdigte in seiner Ansprache das Engagement der vielen Menschen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben – von den Verantwortlichen und Mitarbeitenden der Stadt und der Einrichtung bis hin zur örtlichen Adventgemeinde. Seine guten Wünsche für das Haus, die Mitarbeitenden und die zukünftigen Bewohnerinnen verband er mit einem irischen Segen.

Auch Dr. Münch, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Soziales, Gesundheit und Vielfalt der Stadt Leipzig, betonte die Bedeutung des neuen Hauses. Das bisherige Übernachtungshaus sei insbesondere in den kalten Monaten häufig bis an seine Kapazitätsgrenzen und darüber hinaus belegt gewesen. Die zusätzlichen Plätze seien deshalb dringend notwendig.

Noch deutlicher werde die Veränderung jedoch beim Blick auf die neuen Zimmer. Die Frauen sind überwiegend in Zweibettzimmern mit eigenem Bad untergebracht. „Das bedeutet unglaublich viel, wenn man sein Leben ansonsten überwiegend auf der Straße verbringen muss“, sagte Dr. Münch. Wer keine Wohnung habe, verbringe seinen Alltag im öffentlichen Raum – an Orten, die man sich nicht aussuchen könne, mit Blicken, die man nicht abstellen  und mit Menschen, die man sich nicht aussuchen könne. Das neue Haus könne für manche Frauen ein erster Schritt zurück in ein eigenes und privates Leben sein.

Ein wichtiger Zugewinn ist auch die Zugangsschleuse, die den Frauen und den Mitarbeitenden mehr Sicherheit bietet. Gleichzeitig ermöglichen die großzügigeren Verwaltungs-, Gesprächs- und Gruppenräume bessere Arbeitsbedingungen. Damit kann die Einrichtung ihren Auftrag noch stärker darauf ausrichten, Frauen nicht nur vorübergehend ein Dach über dem Kopf zu geben, sondern sie auf dem Weg aus der Wohnungslosigkeit und zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten.

Dr. Münch dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz und betonte, dass auch die noch ausstehende Sanierung des Hauses beschlossen sei und umgesetzt werden soll.

Die Leiterin der Einrichtung, Stefanie Nemczak, erinnerte in ihrer Ansprache an die Geschichte des Übernachtungshauses. Es wurde am 1. Mai 1994 eröffnet. Erste Leiterin war Blanka Schuchardt, die die Einrichtung 21 Jahre lang erfolgreich führte. Bis heute ist das Haus das erste und einzige Übernachtungshaus speziell für wohnungslose Frauen in Leipzig.

Der Umzug in ein größeres und besser ausgestattetes Gebäude sei deshalb weit mehr als ein Wechsel der Adresse, machte Nemczak deutlich. Auch die Arbeit selbst habe sich verändert. Eine Notunterkunft bedeute längst nicht mehr nur ein Dach über dem Kopf. Sie soll ein Ort sein, an dem Frauen Unterstützung erfahren, ankommen und zur Ruhe kommen können. Erst diese Sicherheit und Stabilität schaffe die Voraussetzung dafür, Hilfe anzunehmen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Inzwischen arbeiten 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Altersgruppen und beruflicher Fachrichtungen in der Einrichtung. Beim Rundgang durch das Haus konnten die Gäste nicht nur die neuen Räumlichkeiten besichtigen. Die Mitarbeitenden berichteten auch von ihrer täglichen Arbeit und den Herausforderungen, die mit der Begleitung wohnungsloser Frauen verbunden sind.

Das große Interesse und die zahlreichen Fragen der Besucherinnen und Besucher zeigten, wie sehr das Thema Wohnungslosigkeit bewegt. Für die Mitarbeitenden war der Tag zugleich eine Anerkennung ihrer Arbeit, die im Alltag nicht immer sichtbar ist und für die es von den betroffenen Frauen nicht selbstverständlich ein Dankeschön gibt.

Mit dem neuen Haus sind die Voraussetzungen deutlich besser geworden, Frauen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass es für möglichst viele von ihnen tatsächlich zu einer Durchgangsstation auf dem Weg in ein eigenes, selbstbestimmtes Leben wird – und dass künftig immer weniger Frauen auf eine solche Einrichtung angewiesen sind.

Weitere Informationen zum Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig.