Sozial handeln –
wirksam helfen.

Ein Praktikum im Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig

Bild: ©AWW - Sophia Schüler (li) und Saskia Krause am Infostand des Übernachtungshauses

[Leipzig]  -  September 2020   Ein Übernachtungshaus für wohnungslose Menschen ist wahrlich kein berufliches Traumziel für Studentinnen und Studenten im Sozialwesen, auch nicht für ein Praktikum. Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung von Sophia Schüler, Studentin im Fachbereich Soziale Arbeit an der HTWK Leipzig, ein sechswöchiges Orientierungspraktikum im Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen Leipzig zu absolvieren. „Da ich mir unter Arbeit mit wohnungslosen Menschen nicht viel vorstellen konnte und eher Berührungsängste hatte, entschied ich mich bewusst für diese Stelle - mit der Motivation, meine persönlichen Grenzen zu erweitern, neue Erfahrungen auf diesem Gebiet zu machen und meinen Horizont dahingehend zu erweitern“, so Sophia Schüler.

Sie hat es nicht bereut. Ein offenes und unterstützendes Team mit wertschätzender Grundhaltung halfen ihr, die anfänglichen Ängste und Vorbehalte zu überwinden und sich schnell in den Arbeitsalltag einfinden. „Die Zeit im Übernachtungshaus ermöglichte mir einen umfangreichen Einblick in das Hilfesystem für wohnungslose Menschen in Leipzig sowie in die Hilfeplanung, Krisenintervention, Netzwerk-, Ressourcen- und Beziehungsarbeit“, berichtet Sophia Schüler. „Ich erlebte Frauen, die meistens durch psychische Erkrankungen, oft in Kombination mit Suchtproblemen ihre Wohnung verloren haben. Ihre Lebensgeschichten und die Begegnung mit ihnen haben meine Sicht auf das Thema Obdachlosigkeit und mein Verständnis darüber enorm verändert und erweitert.

Oft hört man von Wohnungslosen, dass sie das Angebot der Übernachtungshäuser ablehnen, weil sie sich schämen oder weil sie Angst vor Diebstahl oder den vermeintlich strengen Regeln der Hausordnungen haben“, erzählt Schüler. „Die Regeln empfand ich anfangs auch als zu streng und einschränkend. Aber es wurde mir schnell klar, wie wichtig diese Regeln für eine sichere und ruhige Übernachtungsmöglichkeit sind, gerade für Menschen, deren Leben kaum noch irgendwelchen Regeln folgen kann.“

Die aktive Teilnahme am „Tag der Wohnungslosen“ am 11. September in Leipzig wurde auch für Sophia Schüler mehr als eine Informationsveranstaltung rund um Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit in Deutschland und speziell in Leipzig. Es gab viel zu lernen und zu erfahren über die verschiedensten Hilfsangebote für wohnungslose Menschen, aber auch über den schwierigen Stand der Übernachtungshäuser im Hilfesystem und die damit verbundenen sozialpolitischen Herausforderungen.

Abschließend konstatiert Sophie Schüler: „Ich habe Berührungsängste und Vorurteile abbauen können, habe ein tolles Team mit starkem Rückhalt kennengelernt und hatte die Möglichkeit, mit sehr guter Anleitung, Teile der Sozialarbeit auszuprobieren und zu üben. Ich habe viel gelernt, was mich auf meinem zukünftigen Weg begleiten wird. Die Zeit wird mir positiv in Erinnerung bleiben!“

Das Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in Leipzig gibt es seit 1994. Es befindet sich in Trägerschaft des Advent-Wohlfahrtswerkes und wird von der Stefanie Nemczak (Soz.Wiss.) geleitet. Das Haus bietet bis zu 24 Frauen ohne eigene Wohnung ein sauberes Bett zur Übernachtung an, Möglichkeiten zur persönlichen Hygiene sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote durch engagierte Sozialarbeiterinnen und pädagogische Mitarbeiterinnen.

Finanziert wird das Übernachtungshaus von der Stadt Leipzig, aber auch durch Spenden von Menschen, denen das Schicksal von Menschen in unserem Land ohne eigenem Dach über dem Kopf nicht gleichgültig ist.

Mehr Informationen zum Übernachtungshaus für Wohnungslose Frauen in Leipzig hier.