Sozial handeln –
wirksam helfen.

Den Tagen mehr Leben - aber auch dem Leben mehr lebenswerte Tage geben

Hospiz Friedensberg Lauchhammer
©AWW/L. Scheel

[Lauchhammer] 26.09.2018 - Anlässlich der jährlichen Mitgliederversammlung legten der Vorstand des AWW Hospiz Südbrandenburg e.V. und die Geschäftsleitung der Hospiz Friedensberg gGmbH ihre Berichte für das Jahr 2017 vor. Auch im vergangenen Jahr konnte von einer fast 100%-igen Auslastung des Hauses, einer stabilen Mitarbeiter-Situation und einer stets länger werdenden Warteliste für die Aufnahme ins Hospiz berichtet werden. Der Arbeitskreis "Öffentlichkeitsarbeit" wusste von einer hohen Akzeptanz in der Gesellschaft zu berichten, von beeindruckender Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeit und durch Spenden von Privatpersonen und Firmen der Region. "Das Hospiz Friedensberg ist bei den Menschen angekommen", sagte ein Mitglied.
Wenn man meint, es ginge in einem Hospiz nur ums Sterben merkt man schnell, dass es vielmehr ums Leben geht. Nicht nur weil Sterben ein unveränderbarer Teil des Lebens ist und darum integriert und nicht verdrängt und abgeschoben gehört, sondern weil gerade hier Menschen mit den wesentlichen Fragen des Lebens konfrontiert sind. Welches Fazit zieht ein Mensch angesichts des nahen Endes? Was bleibt am Ende und hat Bestand? Wofür lohnt es sich zu leben?
Michael Götz, Pastor der Adventgemeinde aus Berlin ist jede Woche einen ganzen Tag im Haus, um die Gäste und ihre Angehörigen, aber auch das Pflegepersonal zu unterstützen und zu begleiten. Viele haben den Kontakt zur Kirche schon vor Jahrzehnten abgebrochen und ihren Glauben an einen gütigen Gott verloren. Dennoch wollen sie in jetzt nicht allein und auf sich selbst gestellt sein. Sie erwarten nicht Betroffenheit und Rückzug, auch keine lebensverlängernden Maßnahmen durch High-Tech-Medizin, sondern Zuwendung, Verständnis und Menschlichkeit. Das hilft, das unvermeidliche anzunehmen und weckt die Hoffnung, dass mit dem letzten Atemzug vielleicht doch nicht alles vorbei und vergessen sein wird.
"Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben" lautet ein bekannter Satz von Cicely Sounderts, der Gründerin der modernen Hospizbewegung. Und dennoch stimmt der Satz im Hospiz Lauchhammer auch in seiner Umkehrung. Denn hier wird den Tagen nicht nur mehr Leben gegeben durch hervorragende Pflege, durch ein Haus, in dem man gern weilt - so merkwürdig das auch klingen mag. Darum bringen Angehörige ihre Lieben mit einem guten Gewissen, weil sie wissen und spüren, dass sie hier alles bekommen, was in den letzten Tagen dieses Lebens noch möglich ist.
Aber das Leben im Hospiz Friedensberg hat auch mehr Tage als anderswo. Liegt die durchschnittliche Verweildauer im Bundesdurchschnitt bei 18 Tagen, so sind es hier im Durchschnitt 43 Tage, die Menschen hier verbingen. Mehr noch: Totkranke und aufgegebene leben wieder auf und gewinnen Leben und Lebensqualität zurück. Sind es in anderen Häusern 1 oder 2 Personen die das Hospiz lebend verlassen, so sind es hier 5 - 6 Personen im Jahr, die zurück zu ihren Angehörigen oder in eine Pflegeeinrichtung gehen und etliche Monate, teilweise sogar Jahre an Lebenszeit gewonnen haben. Woran das wohl liegt, wollten Mitglieder wissen. "Wir wissen es nicht" - meinten Georg Remmert und Sylvia Finsterbusch, die beiden Geschäftsführer der Einrichtung. Es ist wohl die Gesamtheit vieler Faktoren, eine Art "Puls des Lebens", angefangen von der warmen Atmosphäre des Hauses, dem wunderschönen Garten, der hervorragenden Pflege bis hin zur seelsorgerlichen Begleitung, die zum Leben ermutigt oder auch in Frieden sterben lässt.
Am 29.06.2019 feiert das Hospiz Friedensberg sein 10-jähriges Bestehen. Vielleicht eine Gelegenheit, dieses Haus am "Tag der offenen Tür" einmal kennenzulernen oder die Arbeit in diesem Haus auch finanziell zu unterstützen.
Weitere Informationen unter www.hospiz-friedensberg.de