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Japanische Delegation zu Gast beim AWW Hospiz Berlin - Der Same des fürsorglichen Sterbens

Japanische Delegation im Hospizdienst Berlin
©AWW/A. Proksch (Mitte)

[Berlin] 30.05.2018 - Arigato. Danke. Eine Delegation aus Japan war am 30. Mai zu Gast beim AWW Hospiz Berlin e.V. Allesamt 15 Experten aus dem Gesundheitswesen: vom Managing Director des Institute of Health Economics and Policy über den Medical Doctor der Tsukioka Clinic bis zu Professoren der Ryukyu University, Fakultät Pflege. Ärzte, Wissenschaftler und Geschäftsführer aus den Bereichen Pflege und Medizin. Sie alle wollten wissen: Wie funktioniert ambulanter und stationärer Hospizdienst in Deutschland? Aristide Proksch, Koordinator des AWW, erklärte im hauseins in der Bismarckstraße Konzept, Finanzierung und Ziele des ambulanten Hospizdienstes. Die Gäste interessierte vor allem die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter. Bei einer Führung durch hauseins – ein von einem ambulanten Pflegedienst betriebenes Konzept für betreutes Wohnen – wunderten sich die Teilnehmer darüber, dass alle Mitarbeiter in Zivilkleidung im Einsatz waren. „Wir wollen unseren Bewohnern das Gefühl geben, dass sie nicht im Krankenhaus, sondern zuhause sind“, erklärte
Pflegedienstleitung Melanie Laube. „Beim Umgang mit Sterbenden ist uns Deutschland haushoch überlegen“, erklärt der Journalist Asakawa Sumikazu, der die Reise der Japaner organisiert hatte. Die Japaner seien gefangen in der Vorstellung, im Krankenhaus sterben zu müssen. Die Familie des 21. Jahrhunderts scheue die Konfrontation mit dem Tod in den eigenen vier Wänden. Das Thema Tod sei ein Tabu, man rede nicht darüber, man wolle sich auch keine Zeit für Sterbebegleitung nehmen. „Die Japaner von heute wollen alles möglichst einfach haben“, sagt der Delegationsleiter. Ein stummes Nicken der Teilnehmer. Sie alle haben sich fest vorgenommen, diese Haltung im Land der aufgehenden Sonne zu verändern. Es sei ihr Herzenswunsch, dass Menschen wieder in einer angenehmen Umgebung sterben können. So wie es früher auch in Japan praktiziert wurde. Die Eindrücke bei ihrem Berliner Besuch werden sie dabei unterstützen, den Samen der Veränderung zu säen.

Die Anfänge der hospizlichen Arbeit im Advent-Wohlfahrtswerk (AWW), dem Sozialwerk der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland, waren vor 20 Jahren, als in Berlin mit dem Aufbauf eines ambulanten Hospizdienstes begonnen wurde. 2009 eröffnete das AWW in Kooperation mit einem ambulanten Hospizdienst der Region das "Hospiz Friedensberg" in Lauchhammer (südliches Land Brandenburg) als erstes vollstationäres Hospiz. Ihm folgte 2014 das stationäre "Hospiz am Stadtwald" in Uelzen. Der ambulante Hospizdienst des AWW in Berlin arbeitet heute mit über 50 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Leitung von Aristide Proksch als Koodinator.